Die Sache mit dem Rassismus

Hallo ihr Lieben,

Ich habe jetzt eine Weile hin und her überlegt, ob ich einen Blogpost zum Thema schreiben soll oder nicht. Aber nachdem ich in den letzten Tagen einfach nur den Kopf schütteln konnte, muss ich mir hier Luft machen, denn: Es ist MEIN Blog und ich kann MEINE Meinung hier kundtun, ohne dass mir der Mund verboten wird!

Es wird mit grosser Wahrscheinlichkeit ein langer Beitrag. Holt euch etwas zu trinken und macht es euch doch bequem beim Lesen.

(Quelle: Pixabay)

Den Verlag zu nennen, geht mir so gegen den Strich, dass sich alles in mir Sträubt, aber damit ihr verstehen könnt, was genau das Problem ist, werde ich nachfolgend einmal den Verlag nennen – ihr könnt euch danach selbst ein Bild machen und mir vielleicht auch eure Meinung dazu sagen. Es ist definitiv keine Werbung für den Verlag, sondern eher das Gegenteil – denn ich werde mir selbst kein Buch davon holen. Nun aber ans Eingemachte:

Vielleicht hat der ein oder andere auf Instragram mitbekommen, dass es bei beim Sommerburg Verlag zu einer regen Diskussion gekommen ist, da die Verlegerin / Autorin ein Buch veöffentlichen wollte bzw. inzwischen auch getan hat, das einen sehr heiklen Titel hat. Ich werde ihn hier definitiv nicht nennen, aber wenn ihr auf der Homepage oder bei Instagram nachschaut, werdet ihr sofort sehen, welches Buch ich meine.

Dass ein Autor vielleicht provozieren will, wenn er ein Buch veröffentlicht, kann ich verstehen. Ich kann auch nachvollziehen, wenn man sich an ein heikles Thema wagt, das durchaus kontrovers ist. Die beiden Dinge sind legitim. Aber, und hier kommt der springende Punkt: Der Titel des Buches ist und bleibt durch und durch rassistisch!

Ja, ich spreche aus, wie es ist: Dieses Wort wird nur von Rassisten benutzt! Ich habe mich mit jemandem unterhalten, der zwar nicht Rechtsextrem ist, aber doch seine Meinung zu Ausländern hat und selbst diese Person meinte, dass das klar zu weit geht und hat sich davon distanziert! Aus Schutz werde ich hier nicht sagen, um wen es sich handelt und ganz ehrlich? Das ist auch egal! Es geht ums Prinzip! Hier gibt es ausschliesslich Richtig und Falsch und absolut KEINE Graustufen! Nein, die gibt es nicht! Punkt!

(Quelle: Shutterstock)

Wenn man sich eines solchen Wortes für den Titel eines Buches entscheidet, ist eines von Anfang an klar: Es wird Gegenwind geben, es wird Diskussionen geben. Das muss man in Kauf nehmen, ob man will oder nicht. Die Gesellschaft lässt sich den Mund nicht verbieten und das ist auch gut so.

Ich bin durch Rachel Livens Instagram Story auf dieses Thema gestossen und damals war das erste Cover neben dem Wort, auch durch die Schrift aufgefallen. Das N sah aus wie das Hackenkreuz und das Doppel-s erinnerte stark an die SS… Da ist es kaum verwunderlich, dass die Leute doppelt aufschreien. Der Beitrag wurde schnell gelöscht und das neue Cover präsentiert, das aber weiterhin den besagten Titel trug.

Die Diskussionen auf Instagram waren sehr sehr sehr kritisch und bis auf 1 oder 2 Personen haben sich alle User vehement dagegen ausgesprochen. Es kam unter anderem die Frage auf: Was hat der Titel mit dem Inhalt des Buches zu tun?

Darauf hin wurde nur schwammig geantwortet, dass dies ein Hinweis auf die Süssigkeit sei, ein Wortspiel etc. Hm, okay – selbst wenn das so ist, was hat das mit dem Inhalt zu tun? Die Verlegerin hat selbst gesagt, dass die Süssigkeit NICHTS mit dem Inhalt zu tun hat. Warum zum Teufel also, und diese Frage meine ich ernst, wählt man einen solchen Titel? Wieso kann man nicht einen Titel wählen, der zur Geschichte passt und zudem niemanden beleidigt? Einen Titel, der nichts mit Rassismus zu tun hat?

Nachdem die Kommentare deaktiviert wurden (was auch so ein Thema ist…), wurde erst einmal in der Insta-Story ein Statement gegen Rassismus ausgesprochen. Das wäre ja auch okay gewesen. Aber dann… ja dann kam die Höhe des Ganzen.

Die Autorin hat den ersten Teil des Wortes durchgestrichen (was unprofessionalität Pur ist in diesem Fall) und mit ‚Schaum‘ ersetzt. Als ich das gesehen habe, konnte ich im ersten Moment nicht mehr, als den Kopf schütteln. Als ob eine solche Veränderung, die überhaupt nichts bringt – meiner Meinung nach – etwas an dem Ganzen ändern! Auf dem Buchrücken war a) immer noch der Originaltitel zu sehen und b) wirkte das Ganze wie die trotzige Reaktion eines Kindes – alles andere als professionell. Auch Coverdesigner haben sich dagegen ausgesprochen und klar gesagt, dass sie ein solches Projekt bei dem Namen ablehnen würden. Finde ich klasse. Dass man als Verlag dann so einen Schmarn produziert, verstehe ich nicht. Wenn man das Cover schon, zum zweiten Mal, ändert, dann bitte richtig und mit einem anständigen, nicht rassistischen Titel.

Und dann ging die Diskussion wieder los – und wieder haben sich die Menschen dagegen ausgesprochen. Und obwohl die Autorin weiterhin nichts konstruktives von sich gegeben hat, haben die Leute sogar Titelvorschläge gemacht! Aufgrund des Klappentextes haben sich die Leute Gedanken gemacht, haben versucht, ihr zu vermitteln, was eine bessere Variante wäre. Und dann? Tja, sie hat weiterhin darauf bestanden, dass es ja eine Süssigkeit sei und nichts mit Rassismus zu tun hätte. Sie fühlte sich sogar beleidigt, weil einige sie als Rechts betitelt hatten. Was soll man bei einem solchen Verhalten sonst denken?

Leider wurde bis heute keine der Fragen, die Kritik am Cover – und nur am Cover! – geäussert haben, beantwortet. Wieso die Autorin so dermassen daran festklammert und das Buch nun tatsächlich so veröffentlich hat, hat sie bisher nicht beantwortet. Nein, sie postet den Auszug einer Rezension, die eine Leserin verfasst hat – natürlich positiv. Es kann sein, dass der Inhalt okay ist, daran möchte ich nichts kritisieren, da ich es ja nicht gelesen habe. Aber allein zu einem Buch zu greifen, das einen solchen Titel hat, finde ich äusserst bedenklich. Inzwischen wurden auch hier die Kommentare wieder deaktiviert – wie unter jedem Post, bei dem es um das Buch ging.

Dabei wurde ja sogar noch nach konstruktiver Kritik (ja, genau, ihr lest richtig) gefragt! Der Post ist inzwischen aber gelöscht worden. Tja, die gewünschte Kritik war da, mit Vorschlägen etc. Aber diese wurde nicht angenommen. Der Effekt bzw. die gewünschte Rückmeldung, die von der Autorin vermutlich erwartet wurde, blieb aus. Ganz im Gegenteil: Es kam so gut wie keinen Zuspruch! Und das ist gut so.

Selbst wenn die Story an sich gut gewesen wäre – das kann ich nicht beurteilen – so hat sich die Verlegerin / Autorin selbst ins Aus befördert. Keiner der Kritiker und niemand, der ein Funken Verstand in sich hat, wird sich dieses Buch näher ansehen. Rassismus ist ein absolutes No-Go und kann auf keinen Fall toleriert werden.

In einer so aufgeklärten Zeit, wie wir leben, dürfte das gar nicht mehr existieren. Es kann niemand behaupten, dass er keine Infos etc. dazu hat – es gibt genügend Quellen, die man zu Rate ziehen kann. Sich dann aber so stur und uneinsichtig zu zeigen, das finde ich die absolute Höhe.

Jeder Mensch macht Fehler, niemand ist Fehlerfrei – es ist absolut keine Schande, einzugestehen, dass man über das Ziel hinausgeschossen ist und nun nicht mehr genau weiss, wie man wieder auf den richtigen Weg zurückkehren kann. Hätte die Verlegerin etwas in diese Richtung verlauten lassen, hätten sich bestimmt Leute gefunden, die sie unterstützt hätten und vielleicht wäre das Buch auch besser angekommen.

(Quelle: Pixabay)

Natürlich darf man sich als Autorin mit gesellschaftskritischen Themen befassen, es ist sogar unglaublich wichtig. Aber die Art und Weise, wie man damit umgeht, macht die Musik. Und diese Musik, die gerade gespielt wird, ist von lauter falscher Töne gespickt.

Traurig finde ich auch, dass sie unter anderem auf Lovelybooks durchaus zuspruch findet und die Plattform der Meinung ist, dass sie nichts gegen das Buch machen könnten – die Info habe ich von einer lieben Autorin bekommen, die sich auch sehr mit dem Thema auseinander gesetzt hat, kritische Fragen gestellt hat – ja, sie hat sogar eine Privatnachricht gesendet und zwar eine Antwort erhalten, aber die hat sich nicht mit ihren Fragen beschäftigt. Das finde ich unglaublich schade. Die Autorin polarisiert zwar, aber auf negative Art und Weise.

Meiner Meinung nach hat sie sich keinen Gefallen getan. Ganz im Gegenteil: Sie könnte unter Umständen ihrer Autorenkarriere den Gnadenstoss versetzt haben.

Ich habe in einem Interview, das mit ihr geführt worden, gelesen, dass es sie überrascht, welchen Shit-Storm über sie hinweggerollt ist – hmmm… Das ist für mich selbst überraschend. In der heutigen Zeit, in der Rasismus allgegenwärtig ist, muss man doppelt darauf bedacht sein, was man macht. Wortspiel hin oder her, es hat alles seine Grenzen. Bei dem Aufschrei hätte sie halt noch einmal in sich gehen sollen und darüber nachdenken, ob dies wirklich der richtige Weg ist. Und ja, die Leute haben auf das Äussere des Buches geschaut und wieso? Weil das der erste Eindruck ist, den ein Buch vermittelt. Wenn du in einem Buchladen stehst oder auch online shoppst, wirst du durch ein Cover aufmerksam – und da spielt es auch keine Rolle, um was es geht. Ich sehe mir ein Buch näher an, wenn ich durch die Aufmachung neugierig werde. Und wie in diesem Fall, lese ich mir durchaus auch die Meinungen der Leute durch und, das Wichtigste, die Reaktion der Verlegerin / Autorin. Wenn diese ausfällt, wie hier, dann ist das für mich ein Grund, dem Inhalt überhaupt keine Chance mehr zu geben. Wieso sollte ich jemanden den Gefallen tun, wenn er überhaupt nicht einsichtig ist?

Nein, die Autorin macht einen auf Opfer etc. Das geht so nicht! Sie ist hier NICHT das Opfer! Schon klar, dass eine so heftige Reaktion einen aus der Bahn werfen kann; besonders wenn man so blauäugig ist zu glauben, dass die Leute einfach darüber hinwegsehen, dass der Titel des Buches eindeutig rassistisch ist. ABER das rechtfertigt nicht, dass sie es jetzt so darstellt, als wären wir die Bösen, würden alles aufbauschen, einander gegenseitig hochschaukeln etc. NEIN! Einfach nur NEIN!

Wir schauckeln uns weder hoch, noch bauschen wir alles auf. Wir weisen darauf hin, dass hier etwas im Argen liegt und die Autorin leider keine Einsicht zeigt.

(Quelle: Pixabay)

Ich hoffe sehr, dass sie es sich noch einmal überlegt und auch ihr Verhalten überdenkt. Sich darüber beschweren, dass die Leute ihre Meinung kundtun, sich über Rassismus in der Story ‚beschweren‘ und sich dagegen aussprechen – aber was tut man? Man ändert nichts, sondern verhöhnt – ja, ihr Verhalten ist für mich voller Hohn und Spott – die Leute, die sich wirklich damit beschäftigt haben. Und man zensiert, indem man die Kommentare deaktiviert (ist zwar ihr gutes Recht, aber dann soll man nicht nach Kritik und Meinungen fragen), man die Leute, die sich negativ dagegen aussprechen, für 2 Tage blockiert und dann, welch ein Wunder, wieder freischaltet.

Ich kann mir beim besten Willen nicht erklären, was die Autorin mit allem bezwecken will. Ich weiss nur eines:

Die Community ist zum grössten Teil unheimlich toll, mitfühlend und weiss genau, was sie von Rassismus hält. Ich finde es klasse, dass so viele Leute zusammen gehalten haben und auch nach allem nicht aufgeben, ihre Meinung zu sagen. Es gab sogar jemand, der seine Meinung geändert hat, sich mit dem Thema beschäftigt hat und dann selbst einen kritischen Post geschrieben hat – jemand, der zuerst für das Buch war. Auch ein Zeichen, dass etwas schief läuft, wenn sich selbst diese Menschen die Zeit nehmen, die Kritik zu lesen und darüber nachzudenken. Das ist ein kleiner Erfolg, aber ein unheimlich wichtiger.

Wir haben es gemeinsam geschafft, jemanden zum Umdenken zu bewegen – wer weiss, bei wie vielen das im Hintergrund ebenfalls geschehen ist? Ich hoffe, bei einigen Menschen. Ich hoffe, dass sich die Leute weiterhin gegen Rassismus aussprechen! Die Welt kann nur besser werden, wenn wir endlich lernen, miteinander friedlich umzugehen, zu aktzeptieren, dass wir alle gleich sind – egal welche Hautfarbe wir haben, welche Nationalität, welches Geschlecht etc.

Solange es jedoch solche Vorfälle wie auf Instagram gibt, wir dies nicht möglich sein. Daher eine persönliche Bitte an euch:

Sprecht euch dagegen aus! Lasst euch nicht den Mund verbieten! Selbst wenn ihr denkt, es hat keinen Sinn, macht weiter – immer und immer wieder. Gebt nicht auf, glaubt weiter an das, was ihr denkt, fühlt und möchtet. Glaubt weiter daran, dass der Funken Gutes in jedem Menschen steckt. Und dann bin ich mir sicher, werden wir alle gemeinsam die Welt ein wenig schöner machen und den Rassismus in die Schranken weisen.

Ich möchte dennoch erwähnt haben: Wenn ihr das Buch lesen wollt, ist das natürlich euch überlassen. Aber ich stelle euch die Frage: Wollt ihr so etwas unterstützen? Wo zieht ihr die Grenze?

Bestimmt habe ich die Hälfte, die ich sagen wollte, vergessen und auch die Strukturierung, die ich mir vorgenommen habe, ist nicht vorhanden – aber daran sieht man, dass mich die Sache beschäftigt und es mir nicht egal ist, wie mit Rassismus in der Gesellschaft umgegangen wird.

Lasst mir gerne eure Meinung da – ich bin gespannt, was ihr zum Thema zu sagen habt. Danke fürs Lesen dieses etwas ungewöhnlichen, aber meiner Meinung nach wichtigen, Beitrages <3

Eure Sabs

Ein Kommentar

  1. Hallo du liebe,
    Großartiger Beitrag. Ich bin absolut bei dir. Ich find es unheimlich belastend, dass dieser Person und ihrem Buch so viel Raum gegeben wird. Wozu? Ihr Buch will ich nicht lesen, ich kann Anhand von Cover und Klappentext deutlich sagen, dass es rassistisch und falsch ist . Ich habe einfach langsam keine Worte mehr. Wann verstehen die Menschen, dass Sprache verletzend ist? Wie zb das Spiel „wer hat Angst vorm schwarzen Mann“, einige PoC (People of Color) haben gesagt, dass sie aufgrund dieses Spiels rassistisch angegangen wurde. Gut, dann ändert man den Namen doch in „Schattenmann“, ist doch kein Akt. Dieses festklammern an rassistischer und verletzender Sprache ist etwas das ich nie nachvollziehen kann. Nie.

    Liebe Grüße,
    Rachel

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